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IX. Soziale Gerechtigkeit

Zu S. 350: David Miller, Grundsätze sozialer Gerechtigkeit. Mit einem Vorwort des Autors zur deutschen Ausgabe und einer Einleitung von Axel Honneth, 2008 [Principles of Social Justice, 1999]. Als »Pflichtlektüre für alle, die den Kuchen verteilen« und »Standardwerk über Grundsätze der sozialen Gerechtigkeit« hat Dieter Thomä diesen Band in einer Rezension in der FAZ vom 1. 8. 2008 vorgestellt. Wir können darin nicht wirklich etwas Neues finden, das nicht durch die Analyse der »Formen der Gerechtigkeit« abgedeckt wäre.
 
Interessant ist eine neue Arbeit von Alberto Alesina und Paola Giuliano, Preferences in Redistribution, 2009. Darin untersuchen die Autoren die Präferenzen der Menschen im Hinblick auf eine Umverteilung. Sie werten zunächst einschlägige Literatur für ein theoretisches Modell aus, um dann in den Daten des des (US-amerikanischen) General Social Survey und des World Value Survey nach Bestätigung zu suchen. Wenig überraschend legen Wohlhabende weniger Wert auf  Umverteilung. Relevant sind allerdings neben dem aktuellen Einkommensniveau die Erwartungen die Erwartungen an soziale Mobilität und künftige Einkommenchancen. Ebenso wenig überaschend ist die Präferenz politisch links orientierter Personen für eine Umverteilung. Große Bedeutung hat in den USA die Rassenzugehörigkeit. Schwarze sind sehr viel mehr für Umverteilung als Weiße. Eigentlich liegen die Dinge aber umgekehrt: Die (weiße) Mehrheit akzeptiert größere Ungleichheit, wenn sich die Armut -- wie in den USA -- bei einer Minderheit konzentriert. Weniger stark, aber immer noch relevant ist das Geschlecht, das Frauen stärker für Umverteilung pläderen lässt. Das gilt auch, wenn die politische Einstellung kontrolliert wird. Umgekehrt wird höhere Bildung wirkt eher gegen Umverteilung. Wer dagegen erst kürzlich eine negative Erfahrung gemacht wie Scheidung, Arbeitslosigkeit oder Krankenhausaufenthalt gemacht hat, ist staatlichen Eingriffen weniger abgeneigt. Weitere relevante Faktoren sind Religion, Familienstruktur und Fairnessvorstellungen (Abhängigkeit des Reichtums von Glück oder von harter Arbeit). Der World Value Survey zeigt hohe Präferenz für staatliche Umverteilung in Osteuropa, gefolgt von Lateinamerika und Skandianavien. Am Ende der Skala liegen  asiatische Staaten, die USA, Australien und Neuseeland.
 
Im November 2009 ist ein neues Themenheft der im Internet verfügbaren Zeitschrift Aus Politik und Zeitgeschichte (Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament)  »Soziale Gerechtigkeit« 47/2009: Soziale Gerechtigkeit erschienen, und zwar mit folgenden Beiträgen:

Stefan Liebig/Meike May, Dimensionen sozialer Gerechtigkeit

Frank Nullmeier, Soziale Gerechtigkeit – ein politischer „Kampfbegriff“?

Wolfgang Glatzer, Gefühlte (Un)Gerechtigkeit

Jürgen Gerhards/Holger Lengfeld, Europäisierung von Gerechtigkeit aus Sicht der Bürger

Mike S. Schäfer/Andreas Schmidt/Teresa Zeckau, Transnationale soziale Ungleichheit in den Medien

Max Fuchs, Sozialer Zusammenhalt und kulturelle Bildung

 

Und nun auch noch »Soziale Gesundheitsgerechtigkeit«. Vgl. dazu Stefan Huster, Soziale Gesundheitsgerechtigkeit - Sparen, umverteilen, vorsorgen? Verlag Klaus Wagenbach, Berlin, 2011. ISBN 978-3-8031-3639-8.

Soziale Gerechtigkeit und Umverteilung als Thema sind unerschöpflich. Damit befasst sich auch Ronald Dworkin, Was ist Gleichheit?, Suhrkamp Frankfurt am Main 2011 Es enthält Teile aus Dworkins bereits 2011 erschienener Aufsatzsammlung Sovereign Virtue: The Theory and Practice of Equality (Harvard University Press, 2000; Rezension Michael Becker PVS 43, 2002, 675). Der FAZ vom 9. 1. 2012 S. 24 wird das Buch ausführlich besprochen von Michael Pawlik. Die Rezension bietet ein ausführliches Inhaltsreferat (und kann aus dem Netz heruntergeladen werden).

 
 
 
 


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